Freitags, 22.10.2010, 8:00 Uhr morgens am Hanauer Hauptbahnhof: Eine Gruppe junger und gesanglich recht talentierter Hessen, steht mit Koffern und dicken Jacken vor dem Bahnhof und wartet auf einen Bus, der sie nach Vorarlberg in Österreich zum Chorfestival „Voices unlimited“ bringen soll. Der Bus ist bereits seit einer Stunde unterwegs, um auch die andere Hälfte der Gruppe aus Gießen mit auf den Weg zu nehmen. Kurze Zeit später ist die Wiedersehensfreude groß und der Landesjugendchor Hessen wieder einmal glücklich vereint auf dem Weg zu seiner ersten großen Auslandsfahrt.
Gegründet wurde der Chor, der aus Jugendlichen zwischen 16 und 27 Jahren besteht, erst vor 2 Jahren, nach einigen erfolgreichen Castings. Er steht unter der musikalischen Leitung von Axel Pfeiffer und Jürgen Faßbender und hat bisher schon mehrere Probephasen und Konzerte vorzuweisen, unter anderem im Limburger Dom, der Landesmusikakademie Schlitz und dem Hessischen Landtag. Beim Auftritt dort konnten wir auch den Hessischen Landtagspräsidenten, Norbert Kartmann, als unseren Schirmherrn gewinnen. Der Chor wird des Weiteren durch das Hessische Ministerium für Wissenschaft und Kunst gefördert und vom Hessischen Sängerbund e.V. organisiert.
Nun sollte es aber zum ersten Mal außerhalb die Grenzen Hessens gehen, und zwar zu einem „Festival der Landesjugendchöre“, welches vom Chorverband Österreich ins Leben gerufen wurde. Ursprünglich war der Gedanke neun Landesjugendchöre Österreichs in Vorarlberg zu vereinen, aber da es in Österreich nur 8 Landesjugendchöre gibt, wurde der Hessische Landesjugendchor, durch die langjährige Freundschaft zwischen Jürgen Faßbender und dem Chorleiter der Vorarlberger „Voices“ Oskar Egle, stattdessen eingeladen. Pünktlich zum Fahrtbeginn konnte der Chor auch mit frischbedruckten T-Shirts, die uns wunderbar als Chor hervorhoben, versorgt werden. Gespendet wurden uns diese von der Nassauischen Sparkasse (Naspa), wofür wir uns sehr bedanken.
Endlich angekommen, ging es nach einem kurzen Zwischenstopp in unserem Quartier, dem Jugend und Bildungshaus St. Arbogast in Götzis, welches wir uns mit den Vorarlberger „Voices“ teilten, gleich weiter zur Begrüßung und der ersten gemeinsamen Probe mit allen neun Chören im Kulturhaus Dornbirn. Geprobt wurde für den gemeinsam gestalteten Gottesdienst am Sonntag Morgen in der Stadtpfarrkirche St. Martin und für das große Abschlusskonzert „Alle Neune“ gemeinsam mit dem Jugendsinfonieorchester Mittleres Rheintal unter der Leitung von Christian Kolonovits. Überwältigt von dem Klang, welchen die ca. 350 Landesjugendchorsänger(Innen), das Orchester und einige Solisten aus verschiedenen Chören produzierten, gingen die drei Stunden Probe, trotz Müdigkeit, gut vorbei.
Danach gab es die Möglichkeit im Foyer beim gemeinsamen Ausklang, mit den anderen Chören Kontakt aufzunehmen und ins Gespräch zu kommen. Es dauerte gar nicht lange bis die ersten gemeinsamen Lieder gefunden wurden und der ganze Raum, beginnendmit dem Acappella Stück „Engel“ (Rammstein/arr. Oliver Gies), bebte. Danach nahm der Gesang kein Ende und jeder Chor hatte mal die Gelegenheit sein Können unter Beweis zu stellen. Ähnlich ging das Programm auch am nächsten Tag weiter.
Nach der Generalprobe für „alle Neune“ bereiteten wir uns auf das Samstag-Konzert vor. Zusammen mit den Vorarlberger „Voices“, dem Burgenländer Landesjugendchor (Leitung: Christian Dreo) und dem Männerchor Götzis, der uns herzlichst begrüßte, gestalteten wir eines der insgesamt drei Landesjugendchorkonzerte an diesem Abend. Sowohl die Einzeldarbietungen der Chöre, als auch das gemeinsame Auftreten waren wahre Klangerlebnisse und die Freude am gemeinsamen Singen und sich kennen lernen hielt wieder einmal auch nach dem Konzert noch lange an. Sie übertrug sich auch auf den Sonntag, so dass auch die Gottesdienstgestaltung (350 Stimmen Acapella im großen Kirchenschiff) und das Abschlusskonzert zum Erlebnis wurden.
Neben den „Symphonic Rock und Pop“ Werken des in Österreich doch recht bekannten Komponisten Christian Kolonovits wird uns wohl auch das Vorarlbergerische Volkslied „üsa liechtli“ in Erinnerung bleiben, welches wir, trotz schon fast nicht mehr Deutsch klingendem Text, auswendig darbieten mussten. Gesagt sei allerdings, dass das Erlernen dieses Dialektes uns sehr viel Spaß bereitete. Nachdem wir Sonntag Abend nach dem Konzert noch einmal die Chance bekamen auf der After-glow Party für alle Mitwirkenden die Chorgemeinschaft zu genießen, wurde es Zeit Auf Wiedersehen zu sagen und so fuhren wir Montags Morgens müde, aber glücklich und voller neuer Erinnerungen und Lieder, zurück in unsere hessische Heimat.
Abschließend ist zu sagen, dass das „voices-unlimited“ Festival uns allen eine unvergessliche Erinnerung bleiben wird, wir uns sehr stark nach einer Wiederholung in naher Zukunft sehnen, uns schon darauf freuen, wenn uns unsere neu gewonnenen österreichischen Freunde Gegenbesuche ableisten und es einfach unglaublich zu sehen ist, wie Chorgemeinschaft und die Musik ganz dem Motto entsprechend wirklich grenzenlos ist und ganze Länder verbinden kann.
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